Festränge der Heiligenfeste in Vorau nach dem Kalender des Liber Ordinarius A-VOR 99 (14. Jh.) und deren Entsprechung in den Antiphonaren A-VOR 253 und A-VOR 287


Legende:


fett: Historiae in A-VOR 253
unterstrichen: Historiae zusätzlich in A-VOR 287
kursiv: Altarweihen im Kalender von A-VOR 99


Summum festum (höchste Festkategorie):
Purificacio, Annunciacio dominica, Invencio s. crucis, Nativitas s. Johannis, Petri et Pauli, Visitacio Mariae Virginis, Translacio s. Thomae apostoli, Assumpcio s. Marie virginis, Augustini episcopi, Nativitas s. Marie virginis, Michaelis archangeli, Conceptio Marie virginis, Thome apostoli, Stephani prothomartiris, Johannis apostoli et evangeliste.


Medium festum (bini, zweithöchste Festkategorie):
Conversio Pauli, Dorothee, Kathedra s. Petri, Mathye, Conversio s. Marie Magdalene (2.3.), Rudberti episcopi, Ambrosii episcopi, Marci, Phylippi et Jacobi, Commemoracio s. Pauli, Translacio s. Nycolai, Margarete virginis, Divisio apostolorum, Marie Magdalene, Jacobi, ad vincula s. Petri, in inventione s. Stephani prothomartyris, Affre, Laurencii levite, Bartholomei, decollacio s. Johannis, Exaltacio s. crucis, Matthei, Rudperti episcopi**, translacio s. Virgilii**, Jeronimi, Translacio s. Augustini, Luce, Undecim milium virginum [Ursula], Symonis et Jude, Eustachii, Martini episcopi, Elyzabet regine, Katherine virginis et martiris, Virgilii episcopi, Andree, Barbare*, Nycolai episcopi*, sanctorum Innocentum, Thome episcopi et martiris.


* Festrang steht in den meisten Kalendarien, nicht aber in A-VOR 99
** Kalender in A-VOR 135, Brevier 1466: festum


Festum novem lectionum (dritthöchste Festkategorie):
Octava s. Stephani, Octava s. Johannis, Octava Innocentum, Erhardi episcopi, Marcelli pape, Sebastiani, Agnetis, Vincencii, Timothei, Cirilli episcopi, Blasii, Agathe, Amandi, Valentini, Chunigunde*, Benedicti abbatis, Georii, Floriani, Johannis ante portam latinam, Pancracii, Urbani pape, Marcellini et Petri, Erasmi, Primi et Feliciani, Barnabe, Basilidis, Viti, Marci et Marcelliani, Gervasii, Achacii, Johannis et Pauli, Octava s. Johannis, Udalrici, Octava apostolorum, Kyliani, Septem fratrum, Heinrici, Alexii, Appollinaris, Anne matris Marie, Pantaeleymonis, Felicis pape, Stephani pape, Oswaldi regis, Sixti pape, Ciriaci, Tiburcii, Ypoliti, Octava s. Marie, Hermetis, Egidii abbatis, Octava s. Augustini, Corbiniani, Octava [nat.] s. Marie virginis, Lamperti, Mauricii, XLmus dies assumpcionis, Cosme et Damiani, Octava s. Rudberti, Dionysii, Gereonis, Maximiliani, Cholomani, Kalixti, Januarii, Crispini, Amandi, Leonhardi, Theodori, Martini pape, Brictii, Othmari, Octava s. Martini, Cecilie, Clementis, Crisogoni, Lini pape, Octava Katherine, Octava Virgilii, Octava s. Andree, Damasi, Lucie, Silvestri pape.


* Kalender in A-VOR 135, Brevier 1466: bini
Transfiguratio steht erst sehr spät in den Kalendarien, z.B. A-VOR 135, Brevier 1466: festum. Juliana ist selten im Kalender hervorgehoben, z.B. A-VOR 135, Brevier 1466: novem lectionum


Die vorgelegten Tabellen stellen dar, dass Historiae ausschließlich an Tagen mit einer der drei höchsten Festkategorien zu finden sind. (Das ist auch logisch, denn an den Festen mit drei Lektionen oder bei der Kommemoration wurden keine vollständigen Festoffizien gesungen, die Struktur der Feier war vereinfacht.) In der Kategorie der summa festa zeigt sich, dass ausnahmslos alle jüngeren Feste dieses Ranges eine eigene Historia bekommen haben, sodass sie hinsichtlich der liturgischen Proprien gleichrangig mit den „klassischen“ traditionellen Hochfesten der liturgischen Basis-Schicht dastehen.


Bei den 40 festa media (=bini) haben 15 eine eigene Historia bekommen. Es sind dies die Diözesan- und Ordenspatrone (Rupert, Virgil, Augustinus), das zweite Kreuzfest, sowie einige für die Region besonders bedeutende heilige Frauen wie Dorothea, Maria Magdalena, Afra, Ursula, Katharina, Elisabeth, Barbara und der in Salzburg von Anfang an verehrte Thomas von Canterbury.


Bei drei Heiligen wird an deren zweitem Fest natürlich die Historia wiederholt, bei weiteren 10 Heiligen finden wir traditionelle Eigentexte, achtmal kommt das Commune apostolorum zum Tragen, sodass nur für vier weniger bedeutende Heilige dieser Kategorie eine Feier nach deren Commune übrig bleibt.


In der dritten Kategorie festum novem lectionum finden wir eigene neuere Historiae bei den Heiligen Heinrich, Kunigunde, Vitus, Achatius, Anna, Hermes und Aegydius, sodass als durchaus intendiertes „Nebenprodukt“ auch alle 14 Nothelfer durch eine Historia hervorgehoben sind. Es sind also insgesamt die aus irgendeinem Grunde „besonderen“ Heiligen dieser Kategorie, welche sich besonderer liturgischer Aufmerksamkeit erfreuen. Ansonsten gehören zu dieser Gruppe die vielen alten und neuen Festoktaven (mit der Wiederholung des Festpropriums), etliche Feste mit Proprien aus der Grundschicht des Offiziums (z.B. Cäcilia) und Heilige – römische wie lokale – von sekundärer Relevanz.


Nicht zu vergessen ist die Hervorhebung eines Heiligenfestes, wenn in der Kirche zu dessen oder deren Ehren ein Altar errichtet worden ist. In diesem Falle wird das Fest am konkreten Altar selbst mit größerer Feierlichkeit begangen. In Vorau standen in der mittelalterlichen Kirche Altare zu Ehren des Heiligen Kreuzes, des Heiligen Geistes, der Heiligen Maria, Thomas Apostel, Johannes Evangelist, Paulus, Andreas, Rupert, Michael, Anna, Katharina und Elisabeth. Alle Genannten erfreuen sich einer alten oder jüngeren propria historia.


Ein nicht zu unterschätzendes, aber kaum beachtetes Motiv für Rangerhöhungen und damit verbundene Einführungen von neuen Historiae sind Stiftungen. Inga Behrendt hat dies für Seckau untersucht. Pius Fank beschreibt in seiner Geschichte des Stiftes Vorau einige Stiftungen des 14. Jhs., die nach unseren Beobachtungen konkrete Auswirkungen auf die Hausliturgie hatten. Seit 1329 ist aufgrund einer Stiftung durch den Propst Marquard (1324-1343) das Elisabeth-Offizium feierlich zu singen. 1358 wurde von Propst Heinrich von Wildungsmauer (1350-1381) der feierliche Gesang des Offiziums am Feste der Conceptio Mariä gestiftet. Ein Stiftungsausweis aus dem Jahre 1372 bezeugt gestiftete Offizien für Dorothea (durch den Chorherren Liebhard), Anna (durch den Chorherren Friedrich), sowie Vitus und Barbara (durch den Herren Dietmar, Pfarrer von Pöllau). Für all diese Feste sind Historiae vorhanden.